Steinbergkirche: eine Gemeinde – zwei Kirchspiele – drei Kirchen
Teil II   St. Martin zu Steinberg

von Bernhard Asmussen

Fast genauso alt wie die Esgruser Kirche, aber wesentlich kleiner ist die Kirche in Steinberg. Auch sie wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts erbaut, und auch sie war einst Kirche eines größeren Ur-Kirchspiels, von dem bald nach der Gründung das Kirchspiel Quern mit einer eigenen Kirche abgetrennt wurde. Die Kirche ist dem heiligen Martin geweiht, wie das alte Kirchensiegel aus der Zeit um 1520 beweist.
„Die Kirche liegt unbequem, ganz dicht an der nur einige 100 Schritt entfernten Querner Gränze“, schrieb Pastor Jensen 1844. Will man der Sage vom Schneefall zu Johanni am 24. Juni vor über 800 Jahren keinen Glauben schenken, so bieten sich noch andere Erklärungen für den Bau der Kirche an diesem einst unbesiedelten Ort an: Vielleicht wurde die Kirche wegen der drohenden Gefahr durch Seeräuber möglichst weit landeinwärts gebaut, vielleicht wählte man für die Kirche einen Platz aus, auf dem vorher eine alte heidnische Kultstätte lag, um so – obwohl vom Papst verboten – mit diesem Kunstgriff den Menschen den Übergang vom Heidentum zum christlichen Glauben zu erleichtern, oder man hat die Kirche einfach nur in gleich weiter Entfernung von den drei Urdörfern Gintoft, Quern und Steinberg erbauen wollen. Eingepfarrt waren 1853: bei der Aubrücke, Bredegatt, Gintoft, Gintoftgaard, Gintoftholm, Gintoftholz, Norgaard, Norgaardholz, Oestergaard, Oestergaardholz, Roikjär (z. T.), Steinberg, bei Steinberg-Kirche, Steinberggaard, Steinberghaff, Steinbergholz, Uggelburg, Ulsdamm und Wolsroi. Bis zum Jahre 1511 gehörte auch Habernis zum Kirchspiel Steinberg, wurde aber dann an das Kirchspiel Quern abgetreten (siehe dort). Die Kirchengemeinde Steinberg gehört heute mit etwa 1.650 Gemeindegliedern zu den mittelgroßen Gemeinden in Angeln, hat aber durch seine verkehrsgünstige Lage an der Nordstraße und durch eine rege Neubautätigkeit in den letzten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg ziemlich an Bedeutung gewonnen.

Nur ganze 12 m war das Kirchenschiff dieser kleinen romanischen Feldsteinkirche lang, bevor es im 13. und im 15. Jahrhundert nach Westen verlängert wurde. 1753 wurde der Turm nach Adelbyer Vorbild errichtet und das alte hölzerne Glockenhaus abgebrochen. Beim Betreten der Kirche durch das 1738 angebaute Vorhaus fällt sofort das ungewöhnliche Gewölbe auf, das den Kirchenraum fast wie einen Saal eines Königsschlosses aus der Barockzeit erscheinen lässt. Von der reichen Innenausstattung der Kirche ist der gotische Altar der schönste und wertvollste Gegenstand. Wenn die Überlieferung stimmt, wurde er der Kirche von einem Schiffer geschenkt, der auf der Geltinger Bucht in einen heftigen Sturm geraten war. Der Altar soll eigentlich für eine Kirche in Flensburg bestimmt gewesen sein, aber in seiner Todesangst gelobte der Schiffer, ihn der Kirchengemeinde zu schenken, deren rettendes Ufer er erreichen würde. Er soll dann bei Steinberghaff gelandet sein und sein Versprechen erfüllt haben.

      

Auf dem alten Friedhof steht noch die große Linde, unter der sich schon 1574 die Männer zu „Thing“ versammelten. Mit ihrem Umfang von fast 10 m – durch einen Blitzschlag in zwei Teile gespalten – wird sie von keiner anderen Linde in Angeln übertroffen. Sie wird um 1530 aus Anlass der Einführung der Reformation von Thomas Atzersen gepflanzt worden sein, dem letzten katholischen und zugleich ersten evangelischen Prediger der Steinberger Gemeinde. In den Jahren 1998/99 wurden die Außenwände der Kirche endlich wieder von dem unansehnlich gewordenen Zementputz befreit, so dass sich die alten Feldsteinmauern wieder in ihrer alten schlichten Schönheit zeigen können.
Viele Generationen haben diese Kirche so werden lassen, wie sie heute dasteht. Indem, was sie schufen und veränderten, haben sie alle etwas von ihrem Glauben zum Ausdruck bringen wollen, getreu der Kanzelinschrift: „Tho Gades Erre vnd der Kerken tom Sier“.

Bernhard Asmussen