Steinbergkirche: eine Gemeinde – zwei Kirchspiele – drei Kirchen
Teil III   St.Nikolai zu Quern

von Bernhard Asmussen

Die Querner Kirche ist mit 58 m über N.N. die höchstgelegene Kirche Angelns und von der Seeseite weithin sichtbar. Sie diente zugleich als Seezeichen und war daher dem heiligen Nicolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer (und der Kinder) geweiht. Gebaut wurde sie um 1200 als Tochterkirche von Steinberg.

Die Sage berichtet von einer tollen Fahrt des Leibhaftigen: „Doller up!“, soll der Teufel angetrieben haben, und „Quer um!“ bei der Kirche die alte Geltinger Landstraße entlang nach Ostangeln. Unweit der Nordostecke des Kirchhofes liegt eine Koppel mit dem Namen „Wöhngaard“. Dazu passt die sagenhafte Nachricht, dass in alten Zeiten, noch bevor es die Nieharde gab, in der Struxdorfer Kirche der Gottesdienst nicht eher beginnen durfte, bis die Edelleute von Nübel, Norgaard und Vörngaard angekommen waren. Die Querner Kirche, ein Mischbau aus Quadern sowie Feld- und Backsteinen, gehört mit ihrem 23 m langen Kirchenschiff zu den stattlichsten Dorfkirchen Angelns. Über den mächtigen, allerdings etwas schiefen Turm aus gotischer Zeit erzählt die Sage folgendes: „Bi Hattlundmoor weer’n Steen, de meet 34 Ell’n in Umfang. De hett de Hex vun Broacker dorhen smäten. As de Kirch in Quern buut woor, wull se de umsmieten. Se bunn de Steen an dat Strümpenband un smeet. Se dreep de Kirch awer nich. De Steen full bi Hattlundmoor dal. Vun de Lufttoch awer ist de Kirch(torn) wat scheef wurrn.“

Das Kirchspiel Quern erstreckte sich ursprünglich der Länge nach von der Flensburger Förde in einem relativ schmalen Streifen, begrenzt durch die Kirchspiele Grundhof und Steinberg, nach Süden bis an die Kirchspiele Sörup und Sterup. Habernis, dessen Ländereien in den Besitz des Antoniterklosters Morkjær gelangt waren, gehörte bis zum Jahre 1511 zum Kirchspiel Steinberg. Bald gab es über die Besitzverhältnisse Streit, an dessen Ende Habernis an das Kirchspiel Quern abgetreten wurde. Dies ist bis heute so, obwohl die Habernisser nur über Steinberger oder Neukirchener Gebiet zu ihrer Kirche gelangen können. Dieser Streitigkeiten hat sich die Sage bemächtigt, in der es dazu heißt: „Habernis hat ehedem zu Steinberg-Kirchspiel gehört und keinen besonderen Namen gehabt. Der Querner Viehhirte aber, namens Niß, war in alten Zeiten mit dem Steinberger Hirten in einen Streit geraten und von dem letzteren erschlagen worden. Diesen Mord zu büßen, haben die Steinberger den Quernern ermeldetes Stück Land frei geschenkt. Das sollten sie haben für Niß (Haw for Niß), und davon hat es seinen Namen“, und weiter: Der Steinberger Hirte habe Munk geheißen und sei wegen seiner Übeltat an der Grenze der Kirchspiele gerichtet worden. Die Stelle – schon auf Querner Grund – heißt noch heute „Munkenskors“, das heißt Mönchskreuz.

1622 schied aus dem Nordteil das kleine Neukirchen als selbstständiges Kirchspiel aus, bis sich 1991 beide Kirchenspiele zur „Kirchengemeinde Quern-Neukirchen“ wieder- vereinigten. Mit gut 1.300 Gemeindegliedern in Dingholz (z. T.), Friedrichsthal, Gräfsholz, Habernis, Hattlund, Hattlundmoor, Hisselhöi, Kalleby, Meierlück, Mühlendamm, Munkenskors, Nübelfeld, Philippsthal, Groß- und Klein-Quern, Quernholz, Roikjär (z. T.), Scheersberg, Schiol, Tiefengruft, Weigab, Westerholm, Westerholz, Wolfsbrück (1853) zählt sie zu den mittelgroßen Kirchspielen in Angeln. Vor 120 Jahren wurde Quern als eine der „kirchlichsten Gemeinden“ gerühmt!


Zu der ersten Ausstattung der Kirche wird das sehr wertvolle Antependium gehört haben, eine Verkleidung des Altartisches aus getriebenem und vergoldetem Kupferblech mit dem Brustbildnis Christi aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Das herrliche Kunstwerk hat über 600 Jahre lang den Altar der Kirche in Quern geschmückt, wurde dann aber, weil kaum jemand dessen Wert erahnte, verkauft. Es befindet sich seit 1881 im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg, wo es aufgrund seiner Schönheit und seines Alters zu den kostbarsten Ausstellungsstücken zählt.

Die Kirche wurde 1843 grundlegend restauriert und dabei „einige schlechte Malereien, wodurch die Kirche verunziert wurde, weggeschafft.“ Erneut ausgemalt wurde sie in den Jahren 1957/58 von dem damals in Quern ansässigen, später weit über seine Heimat hinaus bekannten Künstler Ernst Günter Hansing. Die asymmetrisch konturierten Muster am Chorbogen lenken den Blick auf das große spätmittelalterliche Kruzifix über dem Altar und stellen so den Zusammenhang zwischen der modernen Malerei und dem alten Kunstwerk her. So gilt auch hier, dass jede Generation in der ihr eigenen Weise die alten Dorfkirchen zur Ehre Gottes gestaltet und verändert hat.

Bernhard Asmussen