Steinbergkirche: eine Gemeinde – zwei Kirchspiele – drei Kirchen
Teil IV: Die Neue Kirche in Nieby

von Bernhard Asmussen
Ein Juwel in unserer Landschaft ist die Kirche von Neukirchen. Das ehemals kleinste Kirchspiel Angelns mit zuletzt nur noch 85 Gemeindegliedern wurde 1622 aus dem Kirchspiel Quern herausgetrennt. Damals wollte Johann der Jüngere von Glücksburg-Sonderburg hier einen Handelsplatz gründen, um die Produkte seines kleinen Herzogtums unabhängig vom Flensburger Hafen besser vermarkten zu können. Der Herzog ließ schon in den Jahren 1619-1621 etwa 700 m westlich des von ihm angelegten „Neuen Dorfes“ (= Nieby) hart am Steilufer eine kleine Kirche erbauen, ähnlich der sieben Jahre zuvor von ihm auf der gegenüber liegenden Halbinsel Kekenis errichteten Kirche. Man nannte sie die „Neue Kirche“, und dieser Name ging auch auf das zugehörige Kirchspiel und letztlich auf das ganze Dorf über, das verwaltungsmäßig – wie Glücksburg – zur Munkbrarupharde gehörte. Heute nennt man sie hin und wieder liebevoll wohl auch das „Kirchlein am Meer“.
Der kleine Backsteinbau ist das erste nach der Reformation erbaute Gotteshaus in Angeln. Es besteht aus dem Schiff mit Chor und Turm mit einem vierseitigen Zeltdach. Die schmucke Kirche ist weiß getüncht und mit roten Ziegeln gedeckt. Der Friedhof lädt mit seinen hohen Bäumen und seiner alten Feldsteinmauer aus dem Jahre 1776 zu einem Rundgang ein. Man betritt die Kirche durch eine schlichte Tür im Vorhaus, das 1793 einen hölzernen Vorgängerbau ersetzte. Aus der Zeit der Renaissance stammt – wie die Kirche selbst - auch die reich geschnitzte Kanzel von 1620, die bis 1717 in der Glücksburger Schlosskapelle stand. Die mittelalterliche Granittaufe, jetzt mit Zement überzogen, stammt aus der Querner Kirche, der heute verwendete Taufstein wurde 1967 angefertigt. Im Mittelteil des Altars aus dem Jahre 1623 befindet sich seit 1762 ein Gemälde, das Christus und die Apostel beim Abendmahl darstellt. Auf dem Tisch liegt auf einer Silberschale das Passahlamm, das erst 1999 nach einer Restaurierung wieder sichtbar geworden ist. In nationalsozialistischer Zeit war das „jüdische“ Opferlamm – sinniger Weise braun – übermalt und durch einen Teller mit Brot und Brezeln ersetzt worden.

Seit 1991 gehört das Kirchspiel zur „Kirchengemeinde Quern-Neukirchen“. Eingepfarrt sind: Nieby, Niebyfeld und Poseby. Die Kirche hatte bis 1818 stets einen eigenen Pastor, wurde danach aber meist in Personalunion von Quern aus verwaltet. Der letzte Neukirchener Pastor beendete seinen Dienst im Jahre 1963. Am bekanntesten ist Pastor Nicolaus Oest (1744-98), der sich um das Kirchspiel sehr verdient gemacht hat. Folgende originelle Aussprüche über die wenigen Amtshandlungen in seiner kleinen Gemeinde schrieb er in das Kirchenbuch:

„Im Himmel wird nicht copuliert,
auch keine Sterblichkeit verspürt;
doch kommen Kindelein hinein,
so mag wohl hier der Himmel sein!“

„Gestorben keins,
geboren eins,
und das war meins!“

Bernhard Asmussen