Unsere Kirche St.Martin in Steinbergkirche


Ein Foto aus neuester Zeit...       (Foto: Bernhard Asmussen)

... und eine colorierte Postkarte aus vergangener Zeit.
Den Reisenden, der sich von Kappeln oder Flensburg kommend, Steinbergkirche nähert, grüßt schon von weitem der elegante Barockturm der St. Martinskirche. Sie liegt mitten im Ort unmittelbar an der Bundesstraße. Ihre wechselvolle Geschichte ist dem Bauwerk wieder abzulesen, nachdem 1999 der alles überdeckende Zementputz der Zeit um 1880 entfernt werden konnte. Die Osthälfte des langgestreckten Kirchenschiffs und der eingezogene Kastenchor gehören zu einer romanischen Feldsteinkirche vom Ausgang des 12. Jh. Ihre mit Ziegeln vermauerten kleinen Rundbogenfenster sind im Norden und in der Ostwand des Chores deutlich erkennbar, ebenso der Backsteinbogen des romanischen Nordportals östlich des Vorhauses. Wie bereits zuvor in Quern verlängerte man wohl im späten 13. oder im 14. Jh. das Schiff nach Westen in Backstein und versah es mit neuen, sich gegenüberliegenden Portalen. Das in seiner gotischen Form erhaltene Nordportal erhielt 1738 ein Vorhaus. In der Mitte des 18. Jh. war die Kirche offenbar wieder zu klein, dazu war der hölzerne Glockenturm baufällig. So bekam der Flensburger Maurermeister Tobias Wendler 1753 den Auftrag zu einer nochmaligen Verlängerung nach Westen und zum Bau eines Turmes mit Granitverblendung, geschweifter Haube und offener Laterne nach dem Vorbild des Kirchturms in Flensburg- Adelby. Dabei erhielten auch die teilweise bereits in der Spätgotik vergrößerten Segmentbogenfenster der Südseite sowie das Südportal ihre heutige Form.

1765/66 folgte dann die innere Umgestaltung des Kirchenschiffes. Die mittelalterliche Flachdecke wurde durch ein hohes hölzernes Muldengewölbe mit verputzter Untersicht ersetzt. Elegante Rokokokartuschen aus Stuck betonen die Ecken des Rahmens um das Mittelfeld und die Aufhängungspunkte für die prächtigen barocken Kronleuchter; das Gewölbefeld am Ostende trägt das gekrönte Monogramm des 1766 regierenden Landesherrn, König Christian VII. von Dänemark.

Ein sehr enger romanischer Chorbogen verbindet den festlichen Spätbarocksaal der Gemeinde mit dem ganz andersartigen kleinen Altarraum, der von einem niedrigen spätgotischen Kreuzrippengewölbe überdeckt wird. Der Altar trägt ein um 1480-90 geschnitztes Flügelretabel, das fast die ganze Breite des Chores einnimmt. Im Mittelschrein drängen sich in lebhafter Bewegung 75 höchst individuell dargestellte Personen und fünf Pferde unter den Kreuzen auf Golgatha, in den Flügeln stehen die 12 Apostel.

An der Nordwand des Chores ist wie eine Grabplatte das Steinepitaph des in voller Figur dargestellten Johann Petersen auf Norgaard und seiner Frau angebracht, eine vorzügliche Arbeit des Niederländers Jacob van der Borch von 1571. Die ausdrucksvolle Triumphkreuzgruppe über dem Chorbogen entstand 1520-30 im Umkreis des bedeutenden Lübecker Meisters Claus Berg.

Aus dem 13. Jh. stammt die einfache gotländische Taufe. Ihr Deckel trug ursprünglich die kleine, jetzt an der Wand stehende Figur des Johannisknaben (Kopie des gestohlenen Originals).

Ein prächtiges Werk des frühen Knorpelbarocks ist die Kanzel von 1640, die mit ihrem Aufgang wie eine kleine Empore südlich an den Chorbogen anschließt. Ihre Brüstungsreliefs zeigen sechs Szenen aus dem Leben Christi von der Verkündigung bis zur Himmelfahrt. An die Gefahren der Seefahrt erinnert das 1840 gestiftete Votivschiff. 1740 erhielt die 1696 eingebaute Nordempore 23 Brüstungsbilder mit Geschichten der Bibel, gemalt von Hans Heinrich Nissen, Arnis, unter Benutzung niederländischer und italienischer Stichvorlagen. In theologisch bemerkenswerterWeise ist jedem Bild eine Schriftstelle des Alten und des Neuen Testamentes zugeordnet. Die Orgel mit dem neugotischen Prospekt baute die Werkstatt Marcussen, Apenrade, 1881.

(Quelle: Kirchen in Angeln und Ihre Kunstschätze, Ev.Luth. Kirchenkreis Angeln - Friedrich Wittig Verlag Kiel 2001 - Text: Dr.Claus Rauterberg)


Ein Gemälde von Adelbert von Deyen...
(www.adelbert-von-deyen.de)

... und ein Gemälde von J. Magerfleisch

Mehr Infos finden Sie im

Sonderband 5 - 800 Jahre St.Martin:

herausgegeben vom Kirchspielarchiv Steinberg e.V.
www.kirchspielarchiv-steinberg.de

Einweihung der St. Martins-Figur

Im Jahr 1998 gab es die ersten Überlegungen, eine St. Martinsfigur für das Gotteshaus in Steinbergkirche zu schaffen. Anlass dafür war die 800-Jahrfeier der Kirche. Es ist ein weiter Weg, der in den vergangenen sechs Jahren gemeinsam zurückgelegt wurde. Zunächst sollte es nur eine Kopie der alten St. Martinsfigur sein, die jetzt in der Gotischen Halle im Museum Schloss Gottorf bei Schleswig steht. Später beschloss der Kirchenvorstand, eine zeitgenössische Neuschöpfung anfertigen zu lassen. In dem spannenden Wettbewerb, an dem sich insgesamt vier Künstler beteiligten, setzte sich der Vorschlag von Professor Carl Constantin Weber sehr überzeugend durch. Wie das Bild zeigt, hat er die Figur völlig neu und ganz ungewöhnlich gestaltet. Bisher stellt man sich Martin hoch zu Pferde sitzend vor, der dem Bettler zu seinen Füßen die eine Mantelhälfte übergibt. Professor Weber stellt Martin als kräftigen knienden Mann da. Diese Darstellung fügt sich sehr gut in den Kirchraum ein. Im Festgottesdienst am 23. Januar konnte die Figur enthüllt und feierlich eingeweiht werden. Der Kirchenchor bereicherte den festlichen Gottesdienst mit drei mehrstimmigen Liedsätzen. Als Professor Weber die Figur im Einweihungsteil des Gottesdienstes enthüllte, quittierten die Gottesdienstgäste diesen Akt mit einem anerkennenden Staunen. Den anschließenden Empfang moderierte die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands Birgit Hinsche. Pastor Baron informierte über den Beginn der Planungen für die Figur. Dr. Poser berichtete über den Künstlerwettbewerb. Professor Weber äußerte sich zur Entstehung seiner Plastik. Bernhard Asmussen ließ in einem großen Bogen die Geschichte der gotischen St. Martinsfigur Revue passieren. Helga Lempelius berichtete über ihre persönlichen Eindrücke während der Planungen für die St. Martinsfigur. Zwischen den einzelnen Wortbeiträgen brachten Ulla und Uwe Wendrich plattdeutsche Lieder zu Gehör. Zum Abschluss des Empfangs wurde die Festschrift verteilt. Einige Exemplare liegen auch jetzt noch in der Kirche aus. Diese Festschrift enthält die Grußworte von Bischof Dr. Hans Christian Knuth und Propst Gerhard Ulrich sowie Berichte über die Entstehung der St. Martinsfigur von Bernhard Asmussen, Dirk Jonkanksi, Dr. Poser, Pastor Baron und Professor Carl Constantin Weber.

So wie Weber die Figur geschaffen hat, teilt sie eine wichtige Botschaft mit. St. Martin ist bereit, seinen wichtigsten Besitz, den Mantel, zu teilen. Er überschreitet sehr weit die Grenze der Barmherzigkeit, die ihn selbst zum Bedürftigen macht. Dass seine Handlung nicht vereinzelt bleibt, zeigt jetzt die große Bereitschaft, für die Opfer der Flutkatastrophe zu spenden. Zu Barmherzigkeit miteinander und unter den Menschen der Welt wird uns der Martin in unserer Kirche immer wieder mahnen. Der Kirchenvorstand möchte die gute Gelegenheit nutzen und allen Spenderinnen und Spendern für ihre Unterstützung herzlich danken.

Quelle: För di-Ausgabe Februar und März 2005
Bilder: Pastor Hans Baron